Ideenzug

Die wahre Customer Journey – der Ideenzug von DB Regio

Auf der Innotrans 2018 stellte die Deutsche Bahn den Ideenzug vor. Die Kooperation aus DB Regio, Südostbayernbahn und dem d.lab stellte sich die Frage, wie die Zugreise und insbesondere der Regionalverkehr von morgen aussehen könnte.

Der Weg ist das Ziel?

Lange Zeit galt diese Weisheit in unserer modernen Transportwelt nicht viel, denn in der Regel ist das schnelle Erreichen des Ziels das Ziel. Der Weg selbst hat wenig zu bieten, so war über alle Verkehrsmittel hinweg die Hauptbeschäftigung des gewöhnlichen Reisenden aus dem Fester gucken. Auch wenn es interessant ist die Landschaft zu beobachten und spannende Details zu erspähen, in einer von permanenter Informationsverfügbarkeit geprägten Gesellschaft wirkt dieses Konzept etwas antiquiert.

„Deine Zeit gehört Dir“, warb die Bahn von zwei Jahren. Immer mehr, meist multimediale, Angebote ergänzten die Reise mit der Bahn, das ICE Portal, die Video-on-demand-Integration und Zeitungen als E-papers. Der Schwerpunkt der Angebote lag dabei bisher stets auf dem Fernverkehr.

Das Konzept „Ideenzug“

Zukünftig soll sich auch das Erlebnis Regionalbahnfahren nicht mehr nur auf den reinen Konsum von Multimediaangeboten beschränken. Auf der Innotrans 2018 stellte die Deutsche Bahn den Ideenzug vor. Die Kooperation von DB Regio, der Südostbayernbahn und dem d.lab stellte sich die Frage, wie die Zugreise und insbesondere der Regionalverkehr von morgen aussehen könnten. Entstanden ist dabei ein begehbares und funktionsfähiges Modell mit neuen Ideen in den Bereichen Service, Design, Sound und Licht. Insgesamt über 45 Partner haben bei der Entwicklung der 22 verschiedenen Module des Modells mitgewirkt.

Bereits im Eingangsbereich des Ideenzugs werden die Fahrgäste von allerhand Technik begrüßt. Auf großen Bildschirmen werden aktuelle Informationen zur Reise angezeigt und in Verbindung mit der intelligenten Beleuchtung werden die Fahrgäste zu ihren Plätzen geleitet. Zudem wurde in den Boden eine Schmutzschleuse integriert, wodurch der restliche Zug vom Straßenschmutz verschont wird. Weiterhin sind spezielle platzsparende und wartungsarme Klappsitze für kurze Strecken verbaut.

Sportlich unterwegs

Der sportbegeisterte Reisende kann direkt nach dem Einstieg in das Sportabteil wechseln. Hier stehen reservierbare Spinning Bikes und Sportkabinen mit digitalem Fitnesscoach für Sport- und Yogaübungen bereit. Die Wand der Kabine lässt sich per schaltbarem Glas undurchsichtig machen, wodurch die Sportkabine zur Umkleidekabine wird. Die Bezahlung der Sportaktivitäten kann über NFC per App erfolgen. Große Bildschirme sorgen dafür, dass das Gefühl aufkommt wirklich mit dem Bike einen steilen Abhang hinabzufahren. Ein ausgefeiltes Sound- und Beleuchtungskonzept sorgt für die richtige Stimmung für sportliche Aktivitäten. Am Eingang zum Sportabteil stehen Bikelift-Fahrradhalter für eine ideale Platzausnutzung bei optimaler Sicherheit zur Verfügung.

Eine Business Class für den Regio

Im Obergeschoss des Modells, das einem Doppelstock-Regionalzug nachempfunden ist, befinden sich verschiedene Varianten zum Thema Raumkonzept und Bestuhlung. Zunächst finden Reisende einen neuen Premiumbereich vor. Edle Materialien und Holzvertäfelungen untermalen das hochklassige Konzept des Bereichs. Es gibt buchbare Einzelkabinen, die für ruhiges Arbeiten oder Entspannen gedacht sind, der große Bildschirm kann mit dem eigenen Tablet oder Laptop verbunden werden. Die Glasscheibe lässt sich blickdicht schalten und erzeugen so ein Maximum an Privatsphäre, zusätzliche Akustikverkleidung minimiert die Lärmbelästigung. Auch im offenen Bereich sind die Materialien sehr edel gewählt und ein zusätzlicher Sichtschutz sorgt auch hier für eine gewisse Privatsphäre.

Das Modul „Entspannen“ zeigt, wie die Reise genutzt werden kann, um sich von einem anstrengenden Arbeitstag zu erholen. Drehbare Noise Cancelling-Sessel reduzieren den Geräuschpegel, Massagesessel laden zum Entspannen ein und tiefer gezogene Fensterscheiben lassen die Reisenden die Aussicht genießen. Auch hier wird großer Wert auf Geräuschminimierung gelegt. Dies wird durch Echtmoos und andere schallabsorbierende Materialien umgesetzt. Die Sitze lassen sich um 180° drehen und die buchbaren Powernapping-Kabinen geben erschöpften Passagieren die Möglichkeit, sich auszuruhen. Auch sie sind selbstverständlich mit einer Active Noise Control Technologie ausgestattet.

An alle gedacht

Im sogenannten „Regio Diner“-Bereich werden auf Bildschirmen Sport, Nachrichten oder Dokumentationen übertragen. Die Fahrgäste können den Aufenthaltsbereich frei nutzen. In die Tische sind Tablet- Stellflächen integriert, wodurch die Fahrgäste auch ihr eigenes Endgerät bequem nutzen können. Zusätzlich sorgt ein Automat für Getränke oder Snacks. LCD-Tickerbänder in den Tischen können individuell bespielt werden und versorgen die Fahrgäste neben Fahrtinformationen auch mit den neuesten Nachrichten.

Das Abteil „Ergonomie“ zeigt, wie eine mögliche Low Budget-Reiseklasse aussehen könnte. Die verbauten Stehsitze sind platzsparend, ermöglichen aber einen Komfortgewinn gegenüber reinen Stehplätzen, auch durch Bildschirme auf Augenhöhe und Ablagemöglichkeiten. Wer nur kurze Strecken fährt oder nicht den vollen Preis bezahlen möchte, für den könnte diese Idee interessant sein.

Der geräumige „Lounge“-Bereich bietet auch größeren Gruppen Platz und schließt niemanden aus. Die Besichtigung endet mit einem weiteren Multimediabereich, in dem Fahrgäste beispielsweise Spiele spielen können (auch gegeneinander) oder der zum Online Shopping genutzt werden kann. Besonders interessant: Die bestellten Waren werden entweder nach Hause geliefert oder direkt in eine Abholbox am Zielbahnhof.

Ein speziell gestalteter Bereich für Familien lässt die Langeweile von Kindern schnell verfliegen und bietet so auch den Eltern eine entspannte Reise. Für Kinderwagenstellplätze ist ebenfalls gesorgt.

New Mobility made by DB Regio

Neben der intelligenten Nutzung von Technologie wurde zwei Trends der New Mobility mit dem Ideenzug Rechnung getragen: Zum einen wird die Verkehrsmittelwahl künftig neben Preis und Reisezeit entscheidend vom Reisezweck (Arbeiten, Entspannen, …) abhängen – dieser Ansatz spiegelt sich im Ideenzug wider. Er scheut damit nicht die Konkurrenz zu den Hochglanz-Studien der Automobilhersteller, die neuartige Innenraumkonzepte für autonom fahrende Fahrzeuge entwickeln. Zweitens wird damit die Diversifizierung des Geschäftsmodells vorangetrieben. Bislang werden Umsätze ausschließlich aus Fahrpreisen erzielt. Der Ideenzug hingegen zeigt, dass sinnvolle und ganz individuelle Angebote an Bord zusätzliche Einnahmen generieren können.

Fazit

Der Ideenzug der Deutschen Bahn wird seinem Namen durchaus gerecht und bringt viele spannende Ideen für die zukünftige Zuggestaltung zusammen. Er macht damit erlebbar, wie eine Regionalbahnfahrt in naher Zukunft aussehen könnte.

Mehr Informationen gibt es auf ideenzug.de

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