Dreamers & Doers Meetup @ APX

Meetup Review „How are cities adapting to mobility innovation?“

APX – das Joint Venture von Axel Springer und Porsche hat im Rahmen einer neuen Meetup Reihe „Dreamers & Doers“ zu sich eingeladen, um mit spannenden Rednern zu diskutieren, wie Städte mit den Herausforderungen der New Mobility umgehen.

Zunächst: Was ist ein Meetup?

Meetups sind lockere, regelmäßige Gruppentreffen, die in der Regel entweder Workshop- oder Vortragscharakter haben und dazu dienen, interessierte Menschen zusammenzubringen, um sich zu bestimmten Themen auszutauschen. Ursprung und Schwerpunkt der Meetup-Bewegung ist die Start Up Szene, daher dominieren Themen rund um Gründen, Software-Entwicklung, Tech und neue Management-Methoden sowie Denk-Ansätze. Meetups werden oft von Unternehmen veranstaltet, die diese interessierten Menschen zu sich einladen und ein Forum bieten wollen.

Screenshot des Meetups

Über „Dreamers & Doers“

APX – das Joint Venture von Axel Springer und Porsche ist so ein Unternehmen und es hat eine neue Meetup Reihe ins Leben gerufen, um jeden Monat über ein entscheidendes Thema der Digitalisierung mit unterschiedlichen Akteuren des jeweiligen Feldes zu diskutieren.

Am 28.01.2019 war das Thema „How are cities adapting to mobility innovation?” also die Frage, was Innovationen aus dem Mobilitätsbereich eigentlich für Städte bedeuten.

Eingeladen waren

Justas Petronis, Head of Mobility Lab – Trafi

Anthony Barba, Editor – This Week in Mobility

Christoph Weigler, General Manager – Uber

Linda Stannieder, Co-Founder – Graft Brandlab

Sowie der Managing Director von APX, Henric Hungerhoff.

Zur Diskussion

Begeistert hat uns die Auswahl der Redner, die für eine lebhafte und gewinnbringende Diskussion gesorgt hat.

Diskutiert wurden Themen wie Regulatorik im Bereich E-Mobilität, Autonomes Fahren und die Zukunft der Mobilität in Städten. Dabei kamen unterschiedlichste Standpunkte zur Sprache, die zum Teil sehr kritisch den neuen Geschäftsmodellen gegenüber waren.

Ein paar Highlights der Diskussion, die auch uns zum Nachdenken angeregt haben:

Es gibt immer drei Beteiligte, mit berechtigten Interessen:

  • Unternehmen, die ihre Produkte verkaufen wollen
  • Konsumenten, die günstige und bequeme Mobilität nachfragen
  • Städte, die den Auftrag haben, ihre Bürger bestmöglich zu versorgen

Es wurde dafür plädiert, dass Städte sich stärker für die Nutzung und den Austausch von Daten interessieren und das Sammeln und Auswerten von Mobilitätsdaten nicht allein den Unternehmen überlassen.

Deutsche Regulierung wurde allgemein als stark bis innovationsfeindlich angesehen, andererseits herrschte Einigkeit darüber, dass ein gewisses Maß an Regulatorik erforderlich ist, da sonst vor allem die Städte und deren Bürger die Leidtragenden sind. Aktuelles Beispiel aus Berlin und anderen Städten ist die Diskussion um die Unmengen an Bike-Sharing Fahrrädern, die die Gehwege und Straßen verstopfen sowie die Einführung von elektronischen Tretrollern (e-Kickscooter), die derzeit durch die behördlichen Zulassungsverfahren verzögert wird.

LimeScooter ©Lime

Uber hat in München uberGREEN gelauncht, einen Fahrservice ausschließlich mit Elektroautos. Interessant dabei: Uber hat festgestellt, dass Kunden im Schnitt bereit sind, fünf Minuten länger auf ein Auto zu warten, wenn es ein Elektroauto ist.

Elektroautos haben es in der Diskussion hingegen recht schwer gehabt, da vor allem von Linda Stannieder und Justas Petronis deren mangelnde Umweltverträglichkeit hervorgehoben wurde. So schön das emissionsfreie Fahren für unsere Innenstädte sein mag, so umweltschädlich ist häufig die Stromerzeugung und vor allem die Herstellung der Autos und Batterien. Es ist gewissermaßen das Outsourcen der Umweltprobleme ans andere Ende der Welt.

Auch Nachhaltigkeit war ein kontrovers diskutiertes Thema: Anthony Barba rechnete mit Hilfe einer Studie vor, dass ein e-Kickscooter im Schnitt eine Lebensdauer von nur 30 Tagen hat, aber erst nach 90 Tagen rentabel für den Verleiher wird. Wenn die Unternehmenswerte also vor Erreichen der Rentabilitätsschwelle schon ersetzt werden müssen, stellt sich die Frage sowohl nach der ökologischen als auch finanziellen Nachhaltigkeit dieser Geschäftsmodelle.

Sehr positiv wurde öffentlicher Nahverkehr diskutiert, der für alle Anwesenden alternativlos ist, weil die zweifelsfrei effizienteste Art, innerstädtische Mobilität zu gewährleisten. Hier entstehen immer neue Kooperationsmodelle, da die meist kommunalen Anbieter durchweg offen sind für neue Lösungen, um ihr Mobilitätsangebot zu erweitern. Gefragt sind Angebote der ersten und letzten Meile (zur Haltestelle und von dort zum Ziel) sowie für Randgebiete, in denen sich Massentransportmittel wie S- und U-Bahn nicht rechnen. Ein klares Statement in Richtung Zukunft gab Justas Petronis ab:

„Die Zukunft liegt im öffentlichen Nahverkehr, die Frage wird lediglich, wer wird der Eigentümer und wer der Betreiber sein? Meine Meinung: Die Betreiber sind private Unternehmen, die Eigentümer die Städte.“

Autonomes Fahren sehen alle Beteiligten noch mit großen Hürden konfrontiert – in den USA sei ein Start aufgrund der vergleichsweise einfachen Straßensysteme schneller möglich, in Europa sei eine flächendeckende Einführung frühestens in 20-30 Jahren denkbar. Grund hierfür ist vor allem die Regulierung und die Komplexität europäischer Innenstädte. Auch Christoph Weigler von Uber glaubt an eine sehr lange Zeit, in der autonomes und menschliches Fahren nebeneinander existieren.

Eine echte Kurz- und Mittelfrist-Perspektive hingegen ist auch hier wieder der öffentliche Nahverkehr. Autonome Zugsysteme sind andernorts bereits seit Jahrzehnten etabliert, autonome Busse sind auf dem Vormarsch. Künstliche Intelligenz kann bei der Routenplanung und effizienten Auslastung unterstützen.

Fazit: Die Diskussion verändert sich

Deutlich wurde im Gegensatz zur Diskussion der letzten Jahre, dass das Modell öffentlicher Nahverkehr nicht tot ist, sondern mit der richtigen Integration innovativer Mobilitätsangebote eine Renaissance erleben könnte. Voraussetzung dafür ist eine offene und partnerschaftliche Haltung von Unternehmen und Behörden.

Weiterhin werden bei neuen Mobilitätsangeboten in Zukunft stärker als bisher die Themen gesellschaftliche, finanzielle und vor allem ökologische Nachhaltigkeit im Fokus stehen. Das gilt neben der unmittelbaren Wirkung am Ort der Mobilität auch für die gesamte Wertschöpfungs- und Lieferkette.

Drittens scheint die aktuelle Herausforderung weniger auf der Neuentwicklung von Hardware wie Transportmitteln zu liegen, sondern auf der intelligenten Nutzung von Daten zur Schaffung integrativer Plattformen. Plattformen, die es ermöglichen unterschiedlichste Mobilitätsangebote vom S-Bahnticket über das Leihfahrrad bis zur Autofahrt auf Abruf auf Knopfdruck zu nutzen.

Wir bedanken uns für die Gastfreundschaft von APX, die Diskussionsfreudigkeit der Teilnehmer und freuen uns auf das nächste Dreamers & Doers Meetup!

Hier geht’s zur Anmeldung

Hier geht’s zu den Unternehmen:

APX by Axel Springer & Porsche – apx.ac

Trafi – trafi.com

This Week in Mobility – thisweekinmobility.com

Uber – uber.com

Graft Brandlab – graftbrandlab.com