Nextbike Fahrräder in Warschau

Das Rennen ums Rad

Bike Sharing als einer der globalen Megatrends im Bereich New Mobility

Jetzt gilt es, dabei zu sein – der Markt rund um das Thema Bike Sharing, also das Teilen von Fahrrädern ist dabei, sich zu konsolidieren. Auf wenige Anbieter, die global agieren. Selten zuvor wurde der globale Wettbewerb in so kurzer Zeit durch so wenige Anbieter vorangetrieben. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Roland Berger sieht die europäischen Anbieter unter Druck.

Trotz des sogenannten First Mover Advantages, als dem Vorteil der erste im Markt gewesen zu sein, geraten die europäischen und deutschen Bike Sharing Anbieter wie die Deutsche Bahn und nextbike zunehmend in Bedrängnis. Vornehmlich asiatische Anbieter, die mit einem starken Heimatmarkt wie China im Rücken nach Europa expandieren, fluten die europäischen Innenstädte mit neuen günstigen Fahrrädern. Dabei geht es nur noch teilweise um das Anbieten einer neuen Form von Mobilität – es wird gemunkelt, im Kern gehe es darum, Bewegungsdaten zu sammeln.

Aktuelle Trends rund um’s Mietrad

Roland Berger hat sich in einer heute erschienen Studie mit dem Thema und insbesondere dem Markt für Bike Sharing auseinandergesetzt und neben den Marktplayern auch die künftigen Trends herausgestellt:

Free Floating Models

Als sogenannten Free Floating Model bezeichnet man Sharing-Angebote beim Auto oder Rad, bei dem das Fahrzeug nicht an einer Station angenommen oder abgegeben werden muss, sondern an einem beliebigen Standort entgegengenommen und abgestellt werden kann. Apps helfen beim Lokalisieren und freischalten der Räder, die Bequemlichkeit und Relevanz für die Nutzer steigt. Ein steigendes Problem sind die im Stadtbild zu Hauf stehenden und liegenden Räder.

Geofencing

Beim Geofencing handelt es sich um ein auf GPS-Daten basierenden virtuellen Zaun, der ein bestimmtes Gebiet eingrenzt. So können beispielsweise die Geschäftsgebiete von Mietfahrrädern begrenzt werden, indem sich das Fahrrad automatisch sperrt oder nicht abstellen lässt, solange der Nutzer sich außerhalb des Geschäftsgebietes aufhält.

Intermodale Integration

Ein weiterer Schritt ist die Einbindung der Mieträder in andere Mobilitätsprogramme, wie beispielsweise Nahverkehrsanbieter. Wichtiger Faktor ist hier das integrierte Ticketing, bei dem etwa die Monatskarte ein Kontingent an Freiminuten für das Fahrrad enthält oder über die App des Nahverkehrsanbieters auf dem gewohnten Weg abgerechnet werden kann.

E-Bike Sharing

Der Einzug der Elektromobilität macht bekanntlich auch vor den Fahrrädern nicht halt. Insbesondere in bergigen Städten, aber auch für Berufspendler, die nicht unbedingt auf dem Weg ins Büro ins Schwitzen geraten wollen oder ältere Menschen bieten sich Elektro-Leihräder an. Erste Anbieter wie LimeBike finden sich in deutschen Städten.

donkee Lastenrad
by donkee

Cargo Bike Sharing

Ein noch recht neuer Trend ist der Verleih von sogenannten Cargo-Bikes, also Lastenfahrrädern. Im Privatgebrauch immer mal im Straßenbild sichtbar, gibt es nun erste Anbieter etwa in Köln, die diese Lastenräder vermieten. Zwar nur situativ relevant, aber dann eine umso interessantere Alternative für Transporte, die sonst ein Auto notwendig machen.

Künstliche Intelligenz

Wichtiger Punkt wie bereits oben erwähnt ist das Generieren von Daten für bessere und neue Mobilität. Von wo nach wo verlaufen Verkehrsströme? Welche Strecke ist die schnellste für die Route? Wann ist der Bedarf am höchsten? Wer sind die Kunden, die auf den Rädern unterwegs sind? Unternehmen, die diese Fragen beantworten können, verfügbaren über Daten, die höchstwertvoll sind nicht nur für kommerzielle Werbeansprachen, sondern auch neue Mobilitätsdienste, den gezielten Ausbau von Infrastruktur und die ideale Bereitstellung der Fahrräder.

Firmenrad statt Firmenwagen

Eine wachsende Anzahl an Unternehmen nutzt Bike Sharing als Alternative zum herkömmlichen Firmenwagen. Die Mitarbeiter können sich so steuerliche Vorteile sichern und etwas für die Umwelt und ihre persönliche Fitness tun.

FahrradspurVorfahrt für’s Rad

Die oben erwähnten Mobilitätsdaten, insbesondere die von mehreren Anbietern aggregierten können Stadtplanern und Infrastrukturunternehmen eine sehr genau Idee vermitteln, wo sich der Ausbau von Radwegen lohnt. So können die Etatmittel gezielt und wirkungsvoll eingesetzt werden. Städte wie Amsterdam und Kopenhagen machen es vor.

Smarte Radfahrampeln

Die Technologie macht es möglich: Längere Grünphasen bei hohem Aufkommen an Radfahrern, Vorfahrt für’s Rad bei regnerischem Wetter oder die gezielte Verkehrslenkung auch von Radfahrern – all dies ermöglicht die Masse an aufgezeichneten Bewegungsdaten, die so ein flüssiges und bequemes Fahren befördern und den Verkehr in der Stadt entlasten.

Weltweit wachsender Trend

„Bike-Sharing ist günstig, umweltfreundlich und für kurze innerstädtische Distanzen ideal – kein Wunder, dass es gerade in staugeplagten Metropolen boomt“, sagt Roland Berger-Experte Alexander Dyskin. Mit jeweils 2,3 Millionen, 1,7 Millionen und knapp 900.000 verfügbaren Leihrädern haben Peking, Shanghai und Shenzhen im weltweiten Ranking klar die Nase vorn, gefolgt von den europäischen Hauptstädten London (18.000), Paris (15.000) und Berlin (14.000). Dabei geht es um einen attraktiven Zukunftsmarkt: Wie die Studie zeigt, wird der weltweite Umsatz mit Fahrradverleih-Diensten bis 2021 jährlich um rund 20 Prozent auf bis zu 8 Milliarden Euro ansteigen.

„Wer in diesem hart umkämpften Markt bestehen will, muss ein dichtes Netzwerk und einen benutzerfreundlichen Zugang bieten – von der Kundeninformation bis zur Bezahlung über das Smartphone, egal für welchen Service“, fasst Tobias Schönberg von Roland Berger die Entwicklung zusammen. „Die Vernetzung mit anderen Verkehrsmitteln wird für Bike-Sharing-Angebote dabei immer wichtiger“.

Die vollständige Studie ist verfügbar unter: www.rolandberger.de/pressemitteilungen