Flughafen München erprobt Induktives Laden von e-Fahrzeugen

Induktives Laden von E-Fahrzeugen am Flughafen München

München/Lathen (ots) – Seit 2016 verfolgt die Flughafen München Gesellschaft (FMG) das Ziel, bis 2030 Deutschlands erster CO2-neutral betriebener Airport zu werden. Ein weiterer Schritt auf diesem Weg ist der Einsatz von elektrisch betriebenen Gepäckschleppfahrzeugen, die induktiv und damit kontaktlos geladen werden. Die Erprobungsphase hierfür ist nun beendet und das Lathener Unternehmen INTIS beginnt die Serienproduktion dieser Technologie.

Das Ziel: Erster emissionsfreier Flughafen bis 2030

Im Dezember 2016 haben die Gremien der FMG beschlossen, den Münchener Airport (MUC) als ersten deutschen Flughafen in Zukunft CO2-neutral zu betreiben. Der Beschluss sah vor, die dem Flughafen direkt zurechenbaren CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 um 60 Prozent zu reduzieren und die verbleibenden 40 Prozent durch geeignete, möglichst regionale Kompensationsmaßnahmen auszugleichen. Für dieses Klimaschutzprogramm sollen bis 2030 insgesamt 150 Millionen Euro aufgewendet werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt die FMG auch auf den Einsatz innovativer Technologien. Eine solche ist das induktive Ladesystem der INTIS GmbH, einer Tochter des Ottobrunner Technologiedienstleisters IABG mbH, mit Sitz in Lathen. Im Rahmen eines Demonstrationsprojektes wurde ein elektrisches Gepäckschleppfahrzeug mit berührungsloser Ladetechnik ausgestattet. Die Inbetriebnahme erfolgte im Februar 2017. Nach nunmehr knapp 1,5 Jahren Betrieb konnte die Alltagstauglichkeit der induktiven Energieübertragung in diesem konkreten Arbeitsumfeld nachgewiesen werden. Die erwarteten Vorteile im Vergleich zum Laden mit Kabeln wurden bestätigt, auch Funktion und Zuverlässigkeit der Technik haben den Auftraggeber überzeugt.

Induktives Laden von E-Fahrzeugen

Was verbirgt sich technisch hinter dem induktiven Laden? Die Idee ist, E-Fahrzeuge nicht mehr per Ladekabel, sondern berührungsfrei mit Strom zu versorgen. Dies wird mit Spulen realisiert, die einerseits in der Straße und andererseits am Unterboden des Elektrofahrzeugs angeordnet sind. Ein Ladekabel wird nicht mehr benötigt, die Energieübertragung erfolgt über den Luftspalt zwischen den beiden Spulen. Die Effizienz der Energieübertragung ist mit der Effizienz kabelgebundener Ladesysteme vergleichbar.

Der gesamte Ladevorgang geschieht automatisch, sobald sich ein entsprechend ausgerüstetes Fahrzeug über der im Boden eingelassenen Spule befindet. Die straßenseitige Übertragungsspule ist so in den Boden integrierbar, dass ihre Überfahrt kein Hindernis darstellt. Somit lässt sich die Technik auch in vielbefahrenen Straßenbereichen unterbringen, ohne den Verkehrsfluss zu beeinträchtigen. In Ruhezeiten dient die Straße dem Nachladen, zusätzliche Ladeflächen werden nicht benötigt und eigene Anfahrwege und -zeiten zur Ladestation entfallen.

Vorteile der Induktivladetechnik

Die Induktivladetechnik ist gegenüber dem elektrischen Laden mittels Stromkabel von Vorteil, wenn – wie im konkreten Anwendungfall am Flughafen – das Nachladen der Fahrzeugbatterie besonders häufig erfolgen kann, zum Beispiel in den Pausenzeiten der Fahrer. Dadurch kann die Speicherkapazität der Batterien reduziert werden, ohne dass dies zu verminderter Tagesleistung (Reichweite) führt. Weitere Vorteile ergeben sich immer dann, wenn eine Ladeinfrastruktur den Normalbetrieb stört, wie etwa in Logistikhallen. Auch bei Anwendungen, wo schnellstmögliches und automatisches Zwischenladen erforderlich ist, ohne dass der Mensch tätig wird, hat das induktive Laden die Nase vorn. Ein Beispiel hierfür ist der Einsatz autonomer Fahrzeuge.

CO2-Reduktion in Serie

Die Ergebnisse aus dem Demonstrationsprojekt fließen in die bei INTIS nun anstehende Serienvorbereitung der Technik ein. Ralf Effenberger, Geschäftsführer der INTIS GmbH, blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir sind davon überzeugt, dass das induktive Laden die Elektrifizierung von Transportsystemen an Flughäfen, aber auch in anderen Industrieanwendungen, weiter voranbringen und eine maßgebliche Reduzierung des CO2-Footprints bei den Anwendern ermöglichen wird“.

Mehr Informationen: http://www.intis.de und https://www.munich-airport.de/flughafen-verabschiedet-konzept-zum-klimaschutz-1258864