Smart Logistics: weltweit erster vernetzter LKW-Konvoi auf der A9

DB Schenker, MAN Truck & Bus und die Hochschule Fresenius haben gestern eine Weltneuheit präsentiert: Platooning im öffentlichen Straßenverkehr. Das sind vernetzte LKW, die systemgestützt dicht hintereinander und teilautonom auf der Autobahn fahren können. Das Ziel: Die Sicherheit erhöhen, den Kraftstoffverbrauch senken und den Platz auf der Autobahn effizienter nutzen. Ein weiterer Anwendungsfall für das Digitale Testfeld A9 der Bundesregierung.

Im Feldversuch: Platooning

Unter Platooning (englisch für Kolonne) versteht man ein Fahrzeug-System für den Straßenverkehr, bei dem mindestens zwei Lkw auf der Autobahn mit Hilfe von technischen Fahrassistenz- und Steuersystemen in geringem Abstand hintereinanderfahren können. Alle im Platoon fahrenden Fahrzeuge sind durch eine sogenannte elektronische Deichsel mittels einer Car-to-Car-Kommunikation miteinander verbunden. Das führende Fahrzeug gibt die Geschwindigkeit und die Richtung vor.

Platooning in der Logistikbranche: Weltweit erster Praxiseinsatz vernetzter LKW-Kolonnen auf der A9
Platooning in der Logistikbranche: Weltweit erster Praxiseinsatz vernetzter LKW-Kolonnen auf der A9 / Copyright: Deutsche Bahn AG / Wolfgang Groeger-Meier

Am 25. Juni hat DB Schenker als weltweit erster Logistikanbieter gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern MAN Truck & Bus und der Hochschule Fresenius zwei digital vernetzte LKW in den Praxiseinsatz geschickt.

Im Beisein von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer startete ein sogenanntes LKW-Platoon von der DB Schenker Niederlassung in Neufahrn bei München über das digitale Testfeld A9 nach Nürnberg. Gefördert wird das Pilotprojekt mit rund zwei Millionen Euro durch den Bund.

Kooperation zweier Branchengrößen für vernetzte Logistik

Seit 25. Juni gibt es die regelmäßigen Testfahrten der vernetzten Lkw auf der 145 Kilometer langen Strecke. Bis Anfang August wird noch ohne Ladung geprobt. Danach werden die Platoons täglich mit bis zu drei Fahrten im Logistik-Alltag unterwegs sein, beladen mit Stückgut wie Maschinenteilen, Getränken oder Papier.

Mit MAN Truck & Bus und DB Schenker kooperieren zwei weltweit führende Unternehmen ihrer Branchen, um gemeinsam das Thema Automatisiertes Fahren voranzutreiben. „Es geht nicht nur um die Anwendung einer Technologie. Es geht um ihre sinnvolle Einbindung in die gesamte Logistikkette. Die Erkenntnisse aus dem gemeinsamen Projekt sind ein wichtiger Schritt hin zur Serienentwicklung. MAN übernimmt damit eine federführende Rolle bei Automatisierung und Digitalisierung von Nutzfahrzeugen“, sagte Joachim Drees, Vorsitzender des Vorstands der MAN Truck & Bus AG.

Ziele des Platooning-Pilotprojektes

Während der bisher einzigartigen Praxistests wird die Platooning-Technik für den Logistikeinsatz weiter optimiert, zum Beispiel hinsichtlich der Systemsicherheit, des Kraftstoffverbrauchs und der besseren Nutzung des Platzes auf der Autobahn. Die Projektpartner erhoffen sich außerdem einen Erkenntnisgewinn zu der gesellschaftlichen Akzeptanz der vernetzen Fahrweise sowie verkehrspolitischen und infrastrukturellen Voraussetzungen.

Der LKW-Fahrer als „moderne Logistikfachkraft im Digital-Truck“

Seit Beginn der Zusammenarbeit im Mai 2017 und der offiziellen Übergabe der Testfahrzeuge durch MAN im Februar dieses Jahres werden die LKW-Fahrer durch intensive Schulungen auf ihre Rolle im Projekt vorbereitet. Denn laut Bundesverkehrsminister Scheuer: kann „der Lkw-Fahrer […] zur modernen Logistikfachkraft im Digital-Truck werden.“ Ein weiteres Berufsbild, das vor massiven Veränderungen steht.

Bildinfo: Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur
Bildinfo: Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur / Copyright: Deutsche Bahn AG / Wolfgang Groeger-Meier

Die psychosozialen und neurophysiologischen Auswirkungen der neuen Technologie auf die Fahrer im Platoon erforscht die Hochschule Fresenius mit einer begleitenden Studie. So werden wichtige Erfahrungen der LKW-Fahrer miteinbezogen und ihr Berufsbild weiterentwickelt. „Es ist offensichtlich, dass die Digitalisierung des Mobilitäts- und Transportsystems zu völlig neuen Anforderungen für die Beschäftigten der Branche führt“, sagte Prof. Dr. Christian Haas, Leiter des Institutes für komplexe Systemforschung an der Hochschule Fresenius. „Wir hoffen, dass unsere Erkenntnisse auch zum besseren Verstehen und Gestalten anderer digitalisierter Mensch-Maschine Schnittstellen beitragen können.“

Über das Digitale Testfeld Autobahn

Auf der Bundesautobahn A9 in Bayern, eine der am meisten frequentierten Autobahnen in ganz Deutschland, wurde das Digitale Testfeld Autobahn (DTA) eingerichtet. Das BMVI betreibt das DTA gemeinsam mit dem Freistaat Bayern. Es wird vom Verband der Automobilindustrie e. V. (VDA) und dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) unterstützt.

Seine außergewöhnliche infrastrukturseitige Ausstattung macht das DTA zu einem innovativen Erprobungsraum für zukunftsweisende Systeme und Technologien wie das automatisierte und vernetzte Fahren durch Automobil- und Zulieferindustrie, Telekommunikationsunternehmen und Forschungseinrichtungen. Auf dem Testfeld steht unter anderem eine lückenlose Abdeckung mit Highspeed-LTE-Mobilfunk zur Verfügung, sodass auch Weiterentwicklungen des Netzes hin zu einem leistungsfähigen 5G-Mobilfunknetz erprobt werden können. Weiterhin können über den Mobilitäts Daten Marktplatz (MDM) für alle Nutzer des Testfeldes Mobilitätsdaten standardisiert aufbereitet und verfügbar gemacht werden. Über besondere Straßenausstattungen, wie z. B. Schutzeinrichtungen mit Reflektoren und besondere Schilder, die der Erprobung verschiedener Sensorikmodelle (Radar, Laser, LiDAR, Kameras etc.) dienen, werden die Fahrzeuge beim Umgebungsabgleich unterstützt.

Mehr Informationen unter: https://www.deutschebahn.com/ und https://www.bmvi.de/